Sachbuch
Sachbuch ist die deutschsprachige Bezeichnung für ein Buch, das ein bestimmtes Sachthema für ein Laienpublikum darstellt. Sachbücher heißen auf englisch „non-fiction“ und bilden so das Gegenstück zur Belletristik bzw. „fiction“ (von lateinisch „fictum“, erfunden).
Im Gegensatz dazu richtet sich ein Fachbuch an die Spezialisten eines bestimmten wissenschaftlichen oder auch etwa handwerklichen Faches.
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Differenzierung
Sachbücher, Lehrbücher und Fachbücher unterscheiden sich grundsätzlich in ihrer Zielsetzung.
Nachschlagewerke, Enzyklopädien, Schulbücher, Musikbücher oder Reiseliteratur, auch Almanache zählen in der Regel zu den Sachbüchern.
Buchhandlungen, Bibliotheken und Verlage teilen ihre Sachbücher ganz unterschiedlich in Abteilungen und Schwerpunkte ein; es gibt keine einheitliche Systematik der Warengruppen. So passt ein Buch über die Digitalfotografie in das Regal Kunst/Fotografie ebenso wie in die Abteilung Computer/Bildbearbeitung.
Eine mögliche Einteilung der wichtigsten Sachbücher-Gattungen:
- Essen und Trinken (Kochbuch)
- Freizeit und Hobby
- Natur, Garten, Tiere, Jagd, Wald
- Gesundheit, Medizin, Lebenshilfe, Ratgeber (ab Oktober 2007 erscheint aller zwei Wochen abwechselnd im Nachrichtenmagazin FOCUS und im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel eine neue Bestsellerliste mit Ratgeber-Büchern.)
- Psychologie
- Pädagogik / Erziehung
- Geschichte
- Religion
- Nachschlagewerke wie Lexika oder Wörterbücher
- Lehrbuch, Schulbuch
- Reisebücher, Atlanten
- Computer, Informatik
- Wirtschaft, Beruf
- Technik, Architektur, Handwerk
- Kunst, Fotografie, Grafik, Musik, Film
- Verkehr und Verkehrsmittel
- Esoterik (teils kaum abzugrenzen zu Religion und Lebenshilfe)
Das auflagenstärkste deutsche Sachbuch war (und ist) Götter, Gräber und Gelehrte von C. W. Ceram, das, obgleich es sich „Roman der Archäologie“ nannte, das Sachbuch als literarisches Genre populär machte. Als auflagenstärkstes Sachbuch aller Zeiten gilt in den USA die Autobiografie von Lee Iacocca: Iacocca – eine amerikanische Karriere. Und das Guinness-Buch ist das weltweit am häufigsten verkaufte copyright-geschützte Buch.
Abgrenzung
Die germanistische Definition ist umstritten. So grenzt die Poetologie des Sachbuchs die Ratgeberliteratur gerne aus und nimmt nur das sogenannte erzählende Sachbuch in die Kategorie auf (siehe Weblink). Es wird an verschiedener Stelle auf Sergej Tretjakow und seine Begriffsprägung der „Biographie des Dings“ hingewiesen. Und: Ob die Fakten in den Sachbüchern immer stimmen, die doch auch in Romanen anzutreffen sind?
Es wird allgemein zwischen Sachbuch und Fachbuch unterschieden. Dabei ist zu fragen: Ist ein Buch, das psychologische Themen abhandelt und sich z. B. an Ingenieure und Wirtschaftsleute wendet (etwa zur Frage der Arbeitssicherheit), ein Sach- oder ein Fachbuch? Wenden sich Erziehungsbücher für Eltern an „Profis“ (Fachbuch) oder an „Laien“ (Sachbuch bzw. Ratgeber)? Das hängt unter anderem davon ab, welche Kompetenzen der Autor und die Fachwelt pädagogisch nicht ausgebildeten Personen (hier den Eltern) zubilligt.
Handel
Rund jedes dritte verkaufte Buch kann als Ratgeber bezeichnet werden. Ein wesentlicher Teil wird heute über amazon.com und andere Internet-Anbieter verkauft. Doch noch immer macht der stationäre Buchhandel den größten Umsatz mit Ratgebern bzw. Sachbüchern, wenn auch tendenziell leicht rückläufig. In den letzten Jahren wird dafür zunehmend in den sogenannten “Nebenmärkten” - also in Geschäften, die nicht zur Buchbranche gehören, wie z.B. Baumärkten, Apotheken, Reformhäusern - ein wachsender Anteil von thematisch zum jeweiligen Warenangebot passenden Sachbüchern verkauft.
Der Anteil der Sachbücher am Gesamtumsatz verkaufter Bücher ist sehr stark von der Art des Einbandes abhänging. Im Bereich der Hardcover-Bücher (fest „gebundene“ Bücher) liegt der Anteil der Sachbücher bei 84 Prozent, hingegen bei den Softcover-Büchern (Taschenbücher oder auch Paperback genannt) nur bei 14 Prozent. Hier führt die Belletristik mit 54 Prozent.[1]
Anteil am Umsatz aller verkauften Sachbücher in Deutschland [1] (Stand Mai 2008):
- 19,0% Kochbücher
- 18,0% Hobby, Freizeit, Natur
- 16,0% Nachschlagewerke
- 13,7% Ratgeber-Literatur
- 11,6% Bücher zu Gesundheit
- 10,6% Esoterische Themen
- 11,1% Restliche Themen
2008 ging die Nachfrage speziell nach Gesundheitsratgebern zurück. Im Vergleich zu 2007 wurden hier 3,9 Prozent weniger Umsatz gemacht. Als mögliche Ursache werden kostenlose Gesundheitsratgeber-Sites online genannt.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b Religion befeuert den Sachbuchmarkt, In: Die Welt, 22. Mai 2008, S. 27.
- ↑ Quelle: Börsenblatt, 27. Mai 2009
Literatur
- Andy Hahnemann, David Oels: Sachbuch und populäres Wissen im 20. Jahrhundert. Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. u.a. 2008,ISBN 978-3631561324
- Sonja Klug: Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch … Der erfolgreiche Weg zum eigenen Sachbuch, Orell Füssli, Zürich 2002, ISBN 3-280-02623-7 (vergriffen)
- Stephan Porombka: Wie man ein (verdammt gutes) Sachbuch schreibt. In: Non Fiktion. Arsenal der anderen Gattungen 1/2006 (Die Popularität des Sachbuchs), S. 72-92. pdf-Version: [1]
- Klaus Reinhardt: Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben. Bern 2008, ISBN 978-3-456-84521-0
- David Oels, Stephan Porombka, Erhard Schütz (Hrsg.): Sachbuch, kanonisch (NON FIKTION. Arsenal der anderen Gattungen 2/2007). Einleitung “Auf dem Weg zu einem Sachbuchkanon” als pdf-Version: [2]
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