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Georges Bizet

Georges Bizet

Georges Bizet (* 25. Oktober 1838 in Paris als Alexandre-César-Léopold; † 3. Juni 1875 in Bougival bei Paris) war ein französischer Komponist der Romantik.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Bizet wurde im Jahre 1838 in 28 rue de la Tour d’Auvergne im neunten Arrondissement von Paris geboren. Er war registriert unter dem Namen Alexandre César Léopold Bizet,[1] wurde aber am 16. März 1840 auf den Namen Georges Bizet getauft. Sein Vater war ein Laiensänger und Komponist, seine Mutter war die Schwester des berühmten Gesangslehrers François Delsarte.

Musikalischer Werdegang und Leben

1848, zwei Wochen vor seinem 10. Geburtstag, wurde er Schüler des Pariser Musikkonservatoriums. Seine erste Symphonie, die Symphonie in C-Dur, schrieb er November 1855, im Alter von 16 Jahren, offensichtlich als eine studentische Hausaufgabe. Sie war der Öffentlichkeit nicht bekannt, bis sie 1933 in den Archiven der Pariser Konservatoriumsbibliothek gefunden wurde, wo die Partitur von Reynaldo Hahn hinterlegt worden war, der sie wiederum von Bizets Witwe erhalten hatte.[2] Von ihrer Erstaufführung am 26. Februar 1935 unter der Leitung von Felix Weingartner an, wurde sie als ein frühes Meisterstück gefeiert und von vielen Orchestern ins Repertoire aufgenommen. Die Symphonie weist eine erstaunliche Ähnlichkeit zur ersten Symphonie von Charles Gounod auf[3], welche von Bizet für zwei Klaviere arrangiert wurde.[4] Heutige Hörer mögen auch Parallelen zur Musik Franz Schuberts wahrnehmen können, der zur Zeit Bizets in Frankreich jedoch kaum bekannt war.

Im Konservatorium studierte Bizet bei Fromental Halévy, dessen Tochter Geneviève er 1869 heiratete. Als Halévy 1862 starb, hinterließ er seine letzte Oper Noé als Fragment. Bizet vollendete sie, das Werk wurde jedoch erst 1885, zehn Jahre nach Bizets Tod, aufgeführt.

1857 gewann er mit der Komposition der einaktigen Operette Le docteur Miracle einen Teil eines von Jacques Offenbach gestifteten Preises. Außerdem gewann er den Rompreis, die Voraussetzung für ein dreijähriges Stipendium in Rom. Dort entfaltete sich sein Talent in Werken wie der Opera buffa Don Procopio (1858-59). Er schrieb dort auch sein bedeutendes einziges liturgisches Werk, das Te Deum (1858), welches er zur Prix Rodrigues competition einreichte, einem Wettbewerb unter Gewinnern des Rompreises. Bizet gewann den Preis nicht, sodass er mit den beiden Liedern Ave Maria und L’Esprit Saint nur noch zwei weitere kleine geistliche Stücke mit liturgischem Bezug komponierte und die Partitur des Te Deum bis 1971 unveröffentlicht blieb. 1859 machte er zwei Versuche, eine andere Symphonie zu schreiben, zerstörte aber die Manuskripte im Dezember des gleichen Jahres. Abgesehen von dem kurzen Abstecher nach Rom lebte Bizet sein ganzes Leben lang in der Gegend von Paris.

Seine Mutter starb kurze Zeit nachdem Bizet nach Paris zurückgekehrt war. 1863 komponierte er für das Théâtre Lyrique die Oper Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer), welche zunächst ein Misserfolg wurde. Darauf folgte die Oper La jolie fille de Perth (1867 im Théâtre Lyrique uraufgeführt), eine Symphonie mit dem Namen Roma (1868), und Jeux d’enfants (Spiele für Kinder) für Klavier zu vier Händen (1871).

Die populäre L’Arlésienne war ursprünglich eine Gelegenheitskomposition für ein Theaterstück von Alphonse Daudet, das am 1. Oktober 1872 erstaufgeführt wurde. Bizet schrieb daraus eine Suite, deren erste Aufführung am 10. November 1872 stattfand. Ernest Guiraud arrangierte später eine zweite Suite; beide Suites sind durch erhebliche Umarbeitungen des Originals geprägt. Bei Aufführungen und Aufnahmen der zweiten Suite wird Guiraud’s Beitrag meist nicht erwähnt.

Am 22. Mai 1872 wurde die einaktige Opéra comique Djamileh uraufgeführt, die oft als ein Vorläufer von Carmen gesehen wird. Die Ouvertüre Patrie, die in keinerlei Beziehung zu Victorien Sardous Schauspiel Patrie! steht, schrieb Bizet 1873.

Grabstein von Georges Bizet in Père Lachaise

Das wohl bekannteste Werk von Bizet, die Oper Carmen (1875), basiert auf der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée aus den Jahre 1846. Bizet komponierte die Hauptrolle für Mezzosopran. Zunächst wurde Carmen von Publikum nicht gut aufgenommen, erhielt schließlich aber Lob von berühmten Zeitgenossen wie Debussy, Saint-Saëns und Tschaikowski. Brahms besuchte über zwanzig Aufführungen und sah sie als die beste Oper, die in Europa seit dem Deutsch-Französischen Krieg aufgeführt wurde. Die Ansichten dieser Komponisten erwiesen sich als prophetisch, da Carmen seitdem eines der populärsten Werke der gesamten Opernliteratur ist.

Bizet jedoch konnte den Erfolg von Carmen nicht mehr miterleben. Er starb im Alter von 36 Jahren an einem Herzanfall in Bougival (Yvelines), ungefähr zehn Meilen westlich von Paris entfernt. Sein Tod fiel auf seinen sechsten Hochzeitstag, nur ein paar Monate nach der Erstaufführung Carmens. Er wurde im Père Lachaise in Paris begraben.

Seine Witwe Geneviève hatte später eine Verbindung mit dem Pianisten Élie-Miriam Delaborde, der generell als illegitimer Sohn von Charles-Valentin Alkan angesehen wird. Sie heiratete Émile Straus, einen Bankangestelltern mit Beziehungen zur Rothschild-Familie, und wurde als Gastgeberin für Gesellschaften berühmt. Marcel Proust diente sie als Model für die Duchesse de Guermantes in seinem Roman À la recherche du temps perdu. Der Sohn der Bizets, Jacques (1872-1922), war Schriftsteller und war ein Schulfreund Prousts.

Bizets Musik wurde im 20. Jahrhundert für mehrere wichtige Ballette benutzt. Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin arrangierte 1967 die Carmen-Suite, die der Bolshoi Ballerina Maja Plissezkaja in der Choreographie von Alberto Alonso eine Schlüsselrolle verschaffte. Im Westen wurde L’Arlesienne in der Choreographie Roland Petits häufig gespielt, und die von George Balanchine choreographierte Symphonie in C wird als eines der erfolgreichsten Ballette im 20. Jahrhundert betrachtet. Uraufgeführt wurde es 1947 unter dem Titel Palais de Crystal in der Pariser Oper, und ist seitdem im Repertoire des Pariser Opernballetts. Das Ballett hat keine Handlung, sondern orientiert sich allein an der Musik. Jeder Satz der Symphonie wird von einem anderen Solisten oder Corps de ballet getanzt, die im Finale gemeinsam auftreten.

Bizets Arbeit als Komponist lässt seine herausragenden pianistischen Fähigkeiten oft in den Hintergrund treten. Am 26. Mai 1861, beim Abendessen bei den Halévys, zu dem auch Franz Liszt anwesend war, spielte Bizet ein noch unveröffentlichtes kompliziertes Werk Liszts fehlerfrei vom Blatt. Liszt verkündete, dass Bizet einer der ausgezeichnetsten Pianisten in Europa sei.[5]

1875 wurde Bizet kurz vor seinem Tode zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Werke

Bizets Werke wurden im 1948 von Winton Dean veröffentlichten Werkverzeichnis nach Winton Dean der Werke von Georges Bizet (WD) katalogisiert.

Dramatische Werke

  • La maison du docteur, opéra comique, 1 Akt, (H. Boisseaux; ca. 1855 komponiert; unaufgeführt)
  • Le docteur Miracle, Operette, 1 Akt, (L. Battu & L. Halévy, nach R.B. Sheridan; 1856 komponiert; uraufgeführt in Paris, Bouffes-Parisiens, 9. April 1857)
  • Don Procopio, opéra bouffe, 2 Akte, (C. Cambiaggio, nach L. Prividali; 1858-59 komponiert; uraufgeführt in Monte Carlo, 10. März 1906)
  • La prêtresse, Operette, 1 Akt, (P. Gille; ca. 1861 komponiert; unaufgeführt)
  • La guzla de l’émir, opéra comique, (J. Barbier & M. Carré ca. 1862 komponiert; unaufgeführt)
  • Ivan IV, Oper, 5 Akte, (F.-H. Leroy & H. Trianon; ca. 1862-65 komponiert; uraufgeführt in Württemberg, Mühringen Castle, 1946)
  • Les pêcheurs de perles, Oper, 3 Akte, (E. Cormon & M. Carré; 1863 komponiert; uraufgeführt in Paris, Théâtre Lyrique, 30. September 1863)
  • La jolie fille de Perth, Oper, 4 Akte, (J.-H. Vernoy de Saint-Georges & J. Adenis, nach W. Scott); 1866 komponiert; uraufgeführt in Paris, Théâtre Lyrique, 26. Dezember 1867)
  • Marlbrough s’en va-t-en guerre, Operette, 4 Akte, (P. Siraudin & W. Busnach; 1867 komponiert, 1. Akt vorhanden, die anderen verloren gegangen; uraufgeführt in Paris, Théâtre Athénée, 13. Dezember 1867)
  • La coupe du roi de Thulé, Oper, 3 Akte, (L. Gallet & E. Blau; 1868-69 komponiert, nach seinem Tod wurde dieses Werk von jemandem, namens, Dean, 1978, verändert, sodass nur Fragmentereste vorhanden sind; uraufgeführt (Exzerpt) BBC Radio, 12. Juli 1955)
  • Clarisse Harlowe, opéra comique, 3 Akte, (Gille & A. Jaime, nach S. Richardson; 1870-71 komponiert, unvollendet; unaufgeführt)
  • Grisélidis, opéra comique, 1 Akt, (V. Sardou; 1870-71 komponiert, unvollendet; unaufgeführt)
  • Djamileh, opéra comique, 1 Akt, (Gallet, after A. de Musset; 1871 komponiert; uraufgeführt in Paris, Opéra-Comique (Favart), 22. Mai 1872)
  • L’Arlésienne, anfallende Musik, 3 Akte (A. Daudet; 1872 komponiert; uraufgeführt in Paris, Théâtre Vaudeville, 1. Oktober 1872)
  • Don Rodrigue, Oper, 5 Akte, (Gallet & Blau, nach G. de Castro y Bellvis; 1872 komponiert, unvollendeter Entwurf; unaufgeführt)
  • Carmen, Oper, 4 Akte, (H. Meilhac & L. Halévy, nach P. Mérimée; 1873-74 komponiert; uraufgeführt in Paris, Opéra-Comique (Favart), 3. März 1875)

Lieder

(Lyrik / Jahr)

  • L’âme triste est pareille au doux ciel (Lamartine)
  • Petite Marguerite (Rolland, 1854)
  • La Rose et l’abeille (Rolland, 1854)
  • La Foi, l’Esperance et la Charité (de Lagrave, 1854))
  • Vieille chanson (Millevoye, 1865)
  • Adieux de l’hôtesse arabe (Hugo, 1866)
  • Apres l’Hiver (Hugo, 1866)
  • Douce mer (Lamartine, 1866)
  • Chanson d’avril (Bouilhet, 1866)
  • Feuilles d’album (1866): À une fleur (de Musset), Adieux à Suzon (de Musset), Sonnet (Ronsard), Guitare (Hugo), Rose d’amour (Millevoye), Le grillon (Lamartine)
  • Pastorale (Regnard, 1868)
  • Rêve de la bien-aimée (de Courmont, 1868)
  • Ma vie a son secret (Arvers, 1868)
  • Berceuse (Desbordes-Valmore, 1868)
  • La chanson du fou (Hugo, 1868)
  • La coccinelle (Hugo, 1868)
  • La sirène (Mendès, 1868)
  • Le Doute (Ferrier, 1868)
  • L’Esprit Saint
  • Absence (Gautier)
  • Chant d’amour (Lamartine)
  • Tarentelle (Pailleron)
  • Vous ne priez pas (Delevigne)
  • Le Colibri (Flan, 1868)
  • Sérénade ‘Oh, quand je dors’ (Hugo)
  • Vœu (Hugo, 1868)
  • Voyage, Aubade, La Nuit, Conte, Aimons, rêvons!, La chanson de la rose, Le Gascon, N’oublions pas!, Si vous aimez!, Pastel, l’abandonnée (Diese Lieder sind von einem unbekannten, unvollendetes Dramatisches Werk)

Werke für Soloklavier

  • Nocturne in F-Dur
  • Variation chromatiques de concert (orchestriert von Felix Weingartner in 1933)
  • Caprice in Cis-Moll
  • Caprice in C-Dur
  • Chasse Fantastique
  • Romance sans paroles in C-Dur
  • Thème brillant in C-Dur
  • Valse in C-Dur
  • Trois Esquisses Musicales
  • Grande Valse de Concert in E flat
  • Marine
  • Nocturne in D-Dur
  • Chants du Rhin
  • Four Préludes
  • Jeux d’enfants (Children’s Games) 12 Stücke für Klavierduett
    • L’escarpolette (Rêverie), La Toupie (Impromptu), La Poupée (Berceuse), Les Chevaux de bois (Scherzo), Le volant (Fantaisie), Trompette et tambour (Marche), Les Bulles de Savon (Rondino), Les quatre coins (Esquisse), Colin-maillard (Nocturne), Saute-mouton (Caprice), Petit mari, petite femme (Duo), Le Bal (Galop)

Andere Werke

  • Overture in A-Dur
  • Symphonie in C-Dur, 1855
  • Symphonie in C-Dur (Roma)
  • Petite Suite (fünf Sätze orchestriert aus Jeux d’Enfants)
  • Overture Patrie
  • Ode Symphony Vasco de Gama
  • Te Deum

Vollendung von anderen Werken

  • Fromental Halévy - Noé, Oper, 3 Akt (Saint-Georges; 1858-62 komponiert und unvollendet zurückgelassen nach Halévys Tod; vervollständigt von Bizet; uraufgeführt in Karlsruhe, 5. April 1885)

Moderne Bearbeitungen

2004 gelangte Georges Bizet in die deutschen, österreichischen und schweizerischen Popmusik-Charts, als Melendiz die Arie L’amour est un oiseau rebelle aus Carmen für die Grundmelodie seines Top-20-Hits Fuck You All verwendete.

Bereits 1970 adaptierte die englische Rockgruppe LOVE SCULPTURE Bizets “Farandole” auf ihrem Album “Forms and Feelings”; wesentlich bekannter wurde allerdings ihre Fassung von Khachaturians “Säbeltanz” auf demselben Album.

Literatur

  • Winton Dean: Georges Bizet. Leben und Werk. übs. Konrad Küster. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06385-0
  • Edgar Istel: Bizet und Carmen. Stuttgart 1927
  • Rémy Stricker: Georges Bizet. Gallimard 1999 ISBN 2-07-074803-0
  • Christoph Schwandt: Georges Bizet. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlts Monographien. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-50375-1

 Wikisource: Georges Bizet – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise

  1. Sadie, Stanley (Ed.) [1992] (1994), The New Grove Dictionary of Opera, vol. 1, A-D, chpt: “Bizet, Georges (Alexandre César Léopold)” von Hugh MacDonald, New York: MacMillan. p. 485. ISBN 0-935859-92-6
  2. Dean W., Bizet, London, J M Dent & Sons, 1978.
  3. Curtiss M., Bizet and his world, New York, Vienna House, 1958
  4. Dean, 1978, ibid
  5. Grove’s Dictionary (V), vol. I, Georges Bizet, p. 731

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